Die Weisheit der Masse

Einzelne Experten können bisweilen mit Ihren Kenntnissen stark beeindrucken. Aber eine Gruppe ist oft intelligenter als der ausgesprochenste Spezialist. Der vorliegende Beitrag zeigt, welche Rahmenbedingungen nötig sind, um die kollektive Intelligenz voll auszunutzen.

09.06.2010
Übermittlung Ihrer Stimme...
1 2 3 4 5
8098x angezeigt
Management, Managementtrends, Management- und Führungskompetenzen, Ideenmanagement / Betriebliches Vorschlagwesen

1. Wer, Wann, Wo ?

Erschienen in Psychologie Heute, 37. Jahrgang, Heft 6, Juni 2010, S. 34 – 39

Autor: Anne Ott

2. Woher, Wohin, Warum ? 

Der vorliegende Beitrag behandelt auf prägnante Art und Weise das Thema kollektiver Intelligenz. Diese Thematik wird für viele Unternehmen zunehmend interessanter, lassen sich damit doch Problemlösungen finden, die kontraintuitiv sind und neue Wege eröffnen. Vor allem vor dem Hintergrund zunehmender Komplexität und Dynamik der Märkte ist es erforderlich und teilweise sogar überlebensnotwendig ausgetretene Pfade zu verlassen und neue Perspektiven einzunehmen. Die Nutzung kollektiver Intelligenz ist hierfür ein interessanter Ansatz. 

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

Das Thema der Nutzung kollektiver Intelligenz ist kein neues. Dennoch ist es nach wie vor hoch aktuell, wird doch das Potenzial nicht oder nur kaum in Unternehmen ausgenutzt. Oft wird stattdessen in kleinen Expertenzirkeln nach Lösungen gerungen, die wenig Neues zu bieten haben. Die Gründe hierfür liegen oftmals in fehlendem Mut neue Wege zu beschreiten und auch im Verhaften alter Muster, konkret: der Hoheit über die Problemlösung obliegt ausschließlich der Führungsebene. Dabei wird übersehen, welches Leistungsvermögen die Masse, bspw. die Mitarbeiter eines Unternehmens, haben können. Allerdings gilt dies nicht uneingeschränkt: Der Rahmen muss stimmen.

Der Beitrag zeigt auf, dass sich zwei Arten von Problemen klassifizieren lassen:

  1. Divergente Probleme: Damit ist „Querdenken“ und „Ideenspinnen“ gemeint, dass bei Problemen angezeigt ist, welche keine eindeutige Lösung haben.
  2. Konvergente Probleme: Hier ist das Fokussieren auf eine Lösung gemeint, bspw. komplexe Rechenaufgaben oder der Aufbau eines komplexen Schaltkreises.

Erkenntnisse von (Organisations-)Psychologen haben gezeigt, dass bei der Lösung von divergenten Problemen die Weisheit der Masse oft erfolgreicher angewendet werden konnte als die einzelner Experten. Allerdings liegt dies bei konvergenten Problemen anders. Hier ist der Experte oft effektiver und besser. Allerdings hat die Forschung über kollektive Intelligenz gezeigt, dass auch bei bestimmten konvergenten Problemen die Weisheit der Masse wirkt: bei Prognosen. Das Ergebnis ist hier zwar auch ein einzelnes, aber es ist noch unbekannt. Die Vorhersagen von großen Gruppen sind verblüffend oft präziser als diejenigen von z.B. Meinungsforschungsinstituten.

Zusätzlich zu der „richtigen“ Art von Aufgabenstellungen gibt es auch Rahmenbedingungen die die Gruppe erfüllen muss, um erfolgreich sein zu können:

James Surowiecki („Die Weisheit der Vielen“) fasst die Erfolgsfaktoren folgendermaßen zusammen:

  1. Unabhängigkeit der Meinung
  2. Gleichbehandlung aller Gruppenmitglieder
  3. Heterogenität der Gruppe

Im Alltag ist dies nicht ganz einfach zu gewährleisten. Zudem kommt noch die notwendige Bereitschaft zur Gruppenarbeit hinzu, außerdem geteilte Werte sowie die Bedingung von fachlich, sozial und ethnisch unterschiedlichen Hintergründen.

Zudem sollten eingesetzte Tools und Methoden zur Gruppenmoderation sehr präzise eingesetzt werden, um die Potenziale der Gruppe auch tatsächlich ausschöpfen zu können. Der Beitrag nennt hier einige Methoden, wie z.B. die World-Café-Methode oder Open-Space.  

4. Für Wen, unter Welchen Bedingungen ?

Der Beitrag ist für alle von Interesse, die bei der Lösungsfindung ausgetretene Pfade verlassen und neue Perspektiven einnehmen möchten. Er lenkt den Blick auf wesentliche Bedingungen für das Gelingen der Nutzung kollektiver Intelligenz und zeigt ihren Mehrwert auf.

5. Wie einzuschätzen ?

Recht komprimiert und verdichtet steckt der vorliegende Artikel den notwendigen Rahmen für die erfolgreiche Nutzung kollektiver Intelligenz ab. Maßvoll gespickt mit interessanten Verweisen auf weiterführende Literatur ist er lesbar und gut verständlich für jedermann, auch für diejenigen die sich noch gar nicht mit der Thematik befasst haben.