Wenn es zu komplex wird im Coaching

Wer sich bei Visualisierungen ausschließlich auf Flipcharts und Moderationswände verlässt, limitiert die Verbreitung des systemischen Ansatzes im Management und in Organisationen.

26.03.2011
Von:Christoph Schlachte
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Management, Organisation, Prozessmanagement, Projektmanagement, Human Resources

1. Wer, Wann, Wo ?

„Wenn es zu komplex wird im Coaching – über den Gebrauch von Werkzeugen zur Unterstützung des systemischen Denkens“, Coaching Magazin, Nr. 3, 2010, S. 24-28.

Christoph Schlachte ist Dipl. Wirtschaftsinformatiker (FH), systemischer Berater und Coach. Er ist Inhaber des CS Seminare in Burgthann, leitet u.a. den Coaching-Pool der Grundig Akademie in Nürnberg und ist Autor des Tools „Gute Reise“ im Buch „Coaching-Tools II“ von C. Rauen.

2. Woher, Wohin, Warum ?

Jeder systemische Coach, Berater und Moderator weiß, dass Visualisierungen Menschen bei der Bearbeitung von Aufgabenstellungen unterstützen. Das Flipchart ist dabei das Instrument der ersten Wahl. Doch wenn es komplex wird, stößt dieses Hilfsmittel schnell an seine Grenzen. Manch einer hilft sich dann mit einer „Systemaufstellung“. Doch es geht auch spezifischer – insbesondere wenn es weniger um die Beziehungsebene, als um handfeste Sachzusammenhänge geht.

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

Es hat sich lange schon herumgesprochen, dass systemische Beratung gegenüber einem klassischen Ansatz einen Mehrwert generiert. Wechselwirkungen werden herausgearbeitet, Abhängigkeiten, Einflüsse und unterschiedliche Perspektiven deutlich gemacht. Allerdings wird die Angelegenheit dann auch schnell kompliziert, weil komplex. Es tut Not, die Gemengelage des Klienten zu visualisieren und damit zu dokumentieren, weil man so den Überblick behält und auch eine gemeinsame Landkarte nutzen kann. Zu diesem Zweck kommt häufig der „Papiercomputer“ von Frederic Vester zum Einsatz. Dabei handelt es sich um ein grafisches Modell zur Herstellung von Verbindungen zwischen verschiedenen Faktoren. Ziel ist, mehr Klarheit darüber zu erhalten, wie die Faktoren sich gegenseitig beeinflussen und welche Einflüsse verändert werden müssen, um spezielle Ergebnisse zu erzielen.

Nach meiner Erfahrung im Coaching stößt das Arbeiten mit Papier jedoch recht schnell an seine Grenzen. Vor allem natürlich dann, wenn zum Schluss ein bisher nicht im Vordergrund stehender Faktor noch berücksichtigt werden muss – die Visualisierung wird unübersichtlich oder muss komplett neu angelegt werden, beides frustriert. Die Gefahr des Abbruchs einer wirklich systemischen Erkundung ist an dieser Stelle hoch. Und die Wahrscheinlichkeit zur vereinfachenden Darstellung zurückzukehren ebenfalls.

Vor diesem Hintergrund bieten Software gestützte Visualisierungen und Analysen von Zusammenhängen die Möglichkeit, komplexe Wechselwirkungen besser zu verstehen und anschlussfähige Entscheidungen herbeizuführen. Auf Grundlage des System Dynamics-Ansatzes können Ursache-/Wirkungsbeziehungen im Zeitverlauf visualisiert und simuliert werden. Dies ermöglicht nicht nur ein tieferes Verständnis des Systemverhaltens, sondern auch ein stringenteres Ausloten von Entscheidungsspielräumen und Strategieoptionen.

4. Für Wen, unter Welchen Bedingungen ?

Für Coaches geeignet, die sich auf solche Modellierungswerkzeuge einlassen.

5. Wie einzuschätzen ?

Systemisches Denken hat sich im betrieblichen Alltag bislang nicht wirklich durchsetzen können. Dabei bringt es oft einen wichtigen Erkenntnisgewinn und ermöglicht einen Lernerfolg für die entsprechende Zielgruppe und sich selbst. Einen Umstand, den auch die aktuelle „Capgemini Change Management Studie 2010“ herausstellt. Ergebnisse, die nachdenklich machen sollten.

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