Management Compensation - neue Prozesse sind gefragt

Das Thema Managemententlöhnung wird immer wieder kontrovers diskutiert. Dieser Artikel geht auf die Ergebnisse einer Studie der Universität St. Gallen im Auftrag von KPMG Schweiz ein. Die Ergebnisse zeigen, dass die Verwaltungsräte in 60 Prozent der Fälle das Kriterium der Unabhängigkeit erfüllen. Eigenständige Vergütungsausschüsse sind nur in 40 Prozent der Schweizer Firmen anzutreffen. Oft sind die Vergütungssysteme kurzfristig orientiert. Zur Bestimmung des variablen Lohngehaltes empfiehlt der Autor mittel- bis langfristige Zielsetzungen und die Berücksichtigung weiterer Benchmarks. Ziel muss es sein, die Prozesse und Verfahren der Vergütungspolitik zu optimieren, damit überhöhte Managerlöhne vermieden werden können.

11.03.2008
Übermittlung Ihrer Stimme...
1 2 3 4 5
2265x angezeigt
Personalerhaltung und -motivation

1. Wer, Wann, Wo ?

Prof. Dr. Peter Leibfried, geschäftsführender Direktor des Instituts für Accounting, Controlling und Auditing der Universität St. Gallen (HSG), hat folgenden Artikel verfasst:

  • Leibfried, Peter (2007): Management Compensation – neue Prozesse sind gefragt. In: io new management, Zeitschrift für Unternehmenswissenschaften und Führungspraxis, 75. Jg. 2007, Nr. 11, S. 18-21

2. Woher, Wohin, Warum ?

Die Debatte über die Höhe der Managerlöhne wird in der breiten Öffentlichkeit sehr kontrovers geführt.

Dabei werden je nach Argumentation verschiedene Aspekte wie bspw. die Mitarbeitermotivation oder ethische Aspekte betont.

Der Autor ist der Meinung, dass nicht die absolute Höhe des Salärs entscheidend ist, sondern die Art und Weise, wie die Vergütungen beschlossen werden.

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

An der Universität St. Gallen wurde eine Studie im Auftrag von KPMG Schweiz durchgeführt, um den gegenwärtigen Stand der Corporate Governance im Vergütungsbereich zu erfassen. Untersucht wurden die Top 500 Unternehmen, ausgenommen wurden Banken und Versicherungen, weil dort spezielle Rahmenbedingungen bezüglich der Corporate Governance bestehen.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Studie der Universität St. Gallen werden nachfolgend zusammengefasst:

  • Vergütungsgremien:Der Verwaltungsrat legt in der Regel die Höhe der Managerlöhne fest. Das wichtigste Kriterium für dieses Gremiums sollte dessen Unabhängigkeit sein, damit es seine Aufgaben als Kontrollorgan wahrnehmen kann. Unabhängig ist ein VR, wenn die Mitglieder vorher nicht für das Unternehmen tätig waren und keine Beziehungen zur Geschäftsführung bestehen. Die Studie zeigt, dass in der Schweiz nur rund 60 Prozent der Verwaltungsräte dieses Kriterium erfüllen.
  • Vergütungsausschuss:Die Bildung von Vergütungsausschüssen (Compensation Committees) innerhalb eines Verwaltungsrates kann zur Verbesserung der Corporate Governance führen. In Schweizer Publikumsgesellschaften verfügen jedoch nur 40 Prozent der Firmen über ein solches Gremium. Die Studie konnte zeigen, dass solche Ausschüsse zu einer verhalteneren Vergütungspolitik führen.
  • Zeitliche Orientierung der Vergütungssysteme:Damit der Unternehmenswert im Sinne der Anteilseigner langfristig gesteigert werden kann, muss auch das Vergütungssystem langfristig ausgerichtet sein. Die Mehrzahl der Vergütungssysteme sind aber kurzfristig orientiert. In 80 Prozent der Fälle wird die Entlöhnung der Geschäftsleitung nur für ein Jahr fixiert.

Die Studie der Universität St. Gallen und KPMG Schweiz fand heraus, dass der variable Teil des Lohns in drei Viertel der Fälle nur von der Erreichung kurzfristiger Ziele abhängt. Mittel- und langfristige Zielsetzungen und Vergleiche mit Vorjahresergebnissen spielen in der Regel eine untergeordnete Rolle.

4. Für wen, unter welchen Bedingungen ?

Der Artikel eignet sich besonders gut für Personen mit Corporate-Governance-Aufgaben. Die Studienergebnisse sind aber auch für Personen anregend, welche sich generell für das Thema Managemententlöhnung interessieren.

5. Wie einzuschätzen ?

Dieser Artikel erläutert die Ergebnisse einer repräsentativen Studie der Universität St. Gallen im Auftrag von KPMG Schweiz. Der Text ist gut verfasst und regt zum Nachdenken an.