Kollektive Anreizsysteme der öffentlichen Verwaltung - eine Evaluation am Beispiel der Bonus-Malus-Versuchsverordnung der Kantonsverwaltung Bern

Die gegenwärtige Entwicklung der öffentlichen Verwaltung von der reinen Regelbefolgung zur Wirkungsorientierung wird unter dem Begriff "New Public Management" zusammengefasst. Die neu definierten Ziele der Verwaltung bringen auch Veränderungen im Personalbereich mit sich, insbesondere wird eine stärkere Leistungsorien-tierung in der Personalpolitik angestrebt. In ihrer Lizentiatsarbeit (Diplomarbeit) beschäftigt sich Cornelia Mellenberger mit der Theorie von Anreizsystemen – das Hauptinteresse liegt dabei auf den kollektiven Anreizsystemen – und deren Anwendung in öffentlichen Verwaltungen. Nach einer theoretischen Abhandlung über die Ziele, Zwecke und Klassifikation von Anreizsystemen bzw. –instrumenten und der Analyse von zwei praxiserprobten kollektiven An-reizinstrumenten, folgt der empirische Teil, in welchem das Bonus-Malus-System in der Berner Kantonsverwaltung evaluiert wird. Abschliessend werden basierend auf den Resultaten der Evaluation Gestaltungsempfehlungen für kollektive Anreizsysteme in der öffentlichen Verwaltung mit vergleichbaren Rahmenbedingungen erarbeitet.

12.10.2006
Mellenberger Cornelia
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Personalerhaltung und -motivation

1. Wer, Wann, Wo ?

Cornelia Mellenberger, Absolventin der Wirtschaftswissenschaften der Universität Bern, hat folgende Lizentiatsarbeit verfasst:

  • Mellenberger, Cornelia (2004): Kollektive Anreizsysteme der öffentlichen Verwaltung – eine Evaluation am Beispiel der Bonus-Malus-Versuchsordnung der Kantonsverwaltung Bern. Konzeptionelle Grundlagen – Empirische Ergebnisse - Gestaltungsempfehlungen, Unveröffentlichte Lizentiatsarbeit am Institut für Organisation und Personal der Universität Bern, Bern 2004

2. Woher, Wohin, Warum ?

Die öffentliche Verwaltung befindet sich in einem Wandel vom Verwaltungsapparat hin zu einem Dienstleister. Dabei werden neue Ziele, wie zum Beispiel die Förderung der Handlungs- und Arbeitsmarktfähigkeit, zunehmendes Kosten- und Qualitätsbewusstsein oder eine vermehrte Kundenorientierung, festgelegt (vgl. S. 1). Aus diesen Zielen ergibt sich auch der Anspruch an eine stärkere Leistungsorientierung in der Personalpolitik und damit einhergehend das erhöhte Interesse an Themen wie Motivation der Beschäftigten und Leistungsanreize durch ein modernes Personalmanagement. Anreizsysteme dienen der Steigerung der Arbeitsbereitschaft und –motivation und versuchen die neuen Ziele der öffentlichen Verwaltung und die Mitarbeiterziele in Einklang zu bringen und das Verhalten auf die gemeinsam gesetzten Ziele auszurichten (vgl. S. 3).

Ziel der Arbeit ist es, einerseits einen Überblick über den heutigen Stand der Forschung kollektiver Anreizsysteme zu vermitteln. Andererseits versucht die Arbeit aber auch, einen Beitrag zur verbesserten Anwendung der kollektiven Anreizsysteme in der öffentlichen Verwaltung zu leisten (vgl. S.1).

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

Kollektive Anreizsysteme zielen darauf ab, die Leistungsbereitschaft von Gruppen zu steigern und damit eine Verbesserung der Effizienz von Teamarbeit zu bewirken. Ausserdem sollen die persönlichen und kollektiven Ziele in Einklang gebracht werden. Die kollektiven Anreizinstrumente können – wie auch Anreizinstrumente im Allgemeinen – in materielle und immaterielle Anreize unterteilt werden und anhand verschiedener Kriterien (Anreizobjekt, Anzahl der Anreizempfänger, Anreizquelle) klassifiziert werden.

Die Evaluation des Bonus-Malus-Systems in der Berner Kantonsverwaltung versucht die Vor- und Nachteile bei der Gestaltung und Umsetzung eines kollektiven Anreizinstrumentes in der öffentlichen Verwaltung zu eruieren. Basierend auf den Ergebnissen der im Rahmen der Untersuchung durchgeführten Befragungen erarbeitete Mellenberger Gestaltungsempfehlungen für kollektive Anreizinstrumente bezüglich der Bereiche ‚Ziel und Zweck', ‚Anreizempfänger', ‚Anreizquelle', ‚Herleitung', ‚Finanzierung', ‚Anreizobjekt' sowie ‚Information, Kommunikation, Transparenz und Kontrolle'.

4. Für wen, unter welchen Bedingungen ?

Für einen effektiven Einsatz kollektiver Anreizsysteme in der öffentlichen Verwaltung müssen optimale Rahmenbedingungen geschaffen und bestimmte, von Mellenberger erwähnte, Erfolgsfaktoren beachtet werden. Die Thematik der Verwaltungsreform in Richtung Leistungsorientierung ist noch nicht abgeschlossen, wodurch kollektive Anreizsysteme weiterhin an Bedeutung gewinnen werden. Mit dem sehr ausführlichen Theorieteil zu Anreizsystemen – insbesondere den kollektiven Anreizsystemen – bietet die Arbeit Theoretikern wie auch Praktikern einen guten Einblick in die Thematik. Die erarbeiteten Gestaltungsempfehlungen können insbesondere Praktikern bei der Gestaltung und Umsetzung eines Bonus-Malus-Systems sowie kollektiven Anreizsystemen im Allgemeinen in der öffentlichen Verwaltung hilfreich sein.

5. Wie einzuschätzen ?

Die Arbeit ist klar aufgebaut und gut formuliert. Mit dem ausführlichen Theorieteil bietet Mellenberger einen guten Einstieg in die Thematik. Die darauf folgenden Beispiele von praxiserprobten kollektiven Anreizsystemen sowie die eigene empirische Untersuchung eines kollektiven Anreizinstrumentes in einer öffentlichen Verwaltung (des Bonus-Malus-Systems in der Berner Kantonsverwaltung) verdeutlichen die Praxisrelevanz des Themas.

Die Langfassung enthält die 13-seitige Zusammenfassung der Lizentiatsarbeit.

Kollektive Anreizsysteme der öffentlichen Verwaltung.pdf

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