Extreme Jobs

Unvorhersehbare Arbeitslasten, kurze Deadlines, hohe Verfügbarkeiten und lange Arbeitspräsenzen sind charakteristisch für sogenannte "extreme jobs". Im Jahr 2004 wurde eine Task Force mit 33 globalen Mitgliederunternehmen zur Untersuchung dieses Phänomens gegründet. Eine breit angelegte Befragung der 6 Prozent bestverdienenden Amerikaner (N=1'564) sowie Manager von globalen Unternehmen (N=975) ergab, dass deutlich über die Hälfte der Befragten mehr als 50 Stunden pro Woche arbeitet. In solchen extremen Berufen sind nur sehr wenige Frauen anzutreffen. Dieser Artikel ermöglicht durch viele individuelle Beispiele auch Einblicke in die Lebensgestaltung von Menschen in solchen extremen Berufen.

11.03.2008
Übermittlung Ihrer Stimme...
1 2 3 4 5
3805x angezeigt
Personaleinsatz
  • 1. Wer, Wann, Wo ?

Sylvia Ann Hewlett, Präsidentin des "Center for Work-Life Policy", einer aus New York stammenden Nonprofit Organisation, und Carolyn Buck Luce, Vorsitzende der "Hidden Brain Drain Task Force" und Leiterin des pharmazeutischen Bereichs bei Ernst & Young in New York, haben folgenden Artikel verfasst:

  • Hewlett, Sylvia Ann/Luce, Carolyn Buck (2006): Extreme Jobs. The Dangerous Allure of the 70-Hour Workweek, in: Harvard Business Review, 84. Jg. 2006, Nr. 12, S. 49-59

2. Woher, Wohin, Warum ?

Präsenzzeiten von bis zu 70 Stunden pro Woche und mehr sind in Amerika nicht selten anzutreffen.

Eine im Jahr 2004 gegründete Task Force untersucht Berufsfelder, in welchen extreme Anforderungen gestellt werden und wo auch überdurchschnittlich entlöhnt wird.

Die Studie will die Ursachen der aktuellen Entwicklung bezüglich der Arbeitslast ergründen und die vielseitigen Auswirkungen für die Betroffenen aufzeigen.

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

Das "Center for Work-Life Policy" gründete im Februar 2004 die "Hidden Brain Drain Task Force". Ziel des Projekts ist die Bekämpfung des Rückgangs weiblicher Führungspersonen. Rund 33 internationale Unternehmen wie American Express, BP, ProLogis und UBS partizipieren an dieser Task Force.

Diskussionen und Umfragedaten liessen darauf schliessen, dass Frauen der Trend zu extremeren Berufen, wie z.B. bezüglich Arbeitszeiten, oft zum Verhängnis wird. Deshalb untersuchte die Task Force in den Jahren 2005 und 2006 gezielt das Phänomen der "Extreme Jobs". Dazu wurde eine Befragung bei sehr gut verdienenden Personen (der besten 6 Prozent in Amerika) durchgeführt, an der 844 Männer und 720 Frauen teilnahmen. Zudem wurden noch 652 männliche und 323 weibliche Manager von global tätigen Unternehmen befragt.

Im Folgenden werden einige ausgewählte Ergebnisse der Studien zu extremen Berufen in Amerika vorgestellt:

  • Lange Arbeitszeiten:In der Gruppe der Grossverdiener arbeiten 62 Prozent mehr als 50 Stunden, 35 Prozent arbeiten mehr als 60 Stunden, 10 Prozent arbeiten mehr als 80 Stunden und 9 Prozent arbeiten sogar mehr als 100 Stunden pro Woche.
  • Wenig Ferien:42 Prozent beziehen 10 Ferientage pro Jahr oder weniger. 55 Prozent geben an, dass sie ihre Ferienpläne regelmässig verschieben müssen.
  • Hohes Committment:66 Prozent der Top-Verdiener und sogar 76 Prozent in globalen Unternehmen geben an, ihren Beruf zu lieben. Sie sehen sich selber nicht als Workaholics.
  • Erreichbarkeit:67 Prozent der befragten Personen in sehr herausfordernden Berufen sind für ihre Kunden rund um die Uhr erreichbar.
  • Gründe für Motivation:Als wichtigster Grund wurden die stimulierenden und herausfordernden Aspekte der Arbeit genannt, welche eine ArtAdrenalinRushauslösen. Auch wichtig sind interessante und gut qualifizierte Arbeitskollegen. Erst an dritter Stelle wurde die Entlöhnung genannt.

Ein Grund für die Zunahme von extremen Berufen ist die Tatsache, dass sich der Wettbewerb um hohe Führungspositionen verschärft hat. In denFortune 500Unternehmen ist im Zeitraum zwischen 1995 und 2005 die Anzahl "Corporate Officier" Positionen von 11'241 auf 10'873 gesunken.

4. Für wen, unter welchen Bedingungen ?

Der Artikel ist für Personen geeignet, welche sich für das Thema Work-Life-Balance und Gender-Effekte in Managementpositionen interessieren.

5. Wie einzuschätzen ?

Der Artikel schildert unglaubliche Beispiele von Personen in solchen anforderungsreichen Positionen und zieht dabei auch Parallelen zu Extremsportarten. Ein sehr anregender Artikel, der die gesellschaftliche Entwicklung kritisch hinterfragt und zugleich nach Gründen zur Erklärung dieser neuen Phänomene sucht. Dabei wird auf einer sehr aussagekräftigen Datenbasis argumentiert.