Work-Life-Balance. Erhöhte Leistungsfähigkeit bei steigendem Leistungsdruck - ein Widerspruch?

Der Arbeitsbericht Nr. 81 des Instituts für Organisation und Personal (IOP) der Universität Bern thematisiert ein immer wichtiger werdendes Thema: Die Work-Life-Balance. In Zeiten von grossem Leistungsdruck, hohen Anwesenheitsverpflichtungen und neuen Kommunikationstechnologien wird es zunehmend schwieriger, die eigene Balance zwischen Berufs- und Privatleben zu finden. Der Arbeitsbericht enthält theoretische Konzepte, empirische Ergebnisse einer grossen Befragung (rund 3'000 Personen) und Nutzenanalysen. Letztere bieten überzeugende Argumente für die Umsetzung von Verbesserungsmassnahmen in Unternehmen.

12.12.2007
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Personaleinsatz

1. Wer, Wann, Wo ?

Regine Moser, lic. rer. pol., wissenschaftliche Assistentin am Institut für Organisation und Personal (IOP) der Universität Bern, Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Norbert Thom, Direktor des Instituts für Organisation und Personal der Universität Bern, Gilles Bigler, Hilfsassistent am IOP und Mirjam Brunnschweiler, Absolventin der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Bern, haben folgenden Arbeitsbericht verfasst:

  • Moser , Regine/ Thom , Norbert/ Bigler , Gilles/ Brunnschweiler , Mirjam (2007): Erhöhte Leistungsfähigkeit bei steigendem Leistungsdruck – ein Widerspruch? Work-Life-Balance. Theorie – Empirische Ergebnisse – Nutzenanalyse, Arbeitsbericht Nr. 81 des Instituts für Organisation und Personal der Universität Bern, Bern 2007

2. Woher, Wohin, Warum ?

Durch die neuen technischen Möglichkeiten hat sich die Lebensqualität in den letzten Jahrzehnten einerseits erhöht, andererseits ist zu beobachten, dass der Leistungsdruck in der Arbeitswelt eher zugenommen hat.

Der demographische Wandel wird in absehbarer Zeit zu starken Veränderungen der Altersstruktur führen, welche zu Engpässen auf dem Arbeitsmarkt führen dürften.

Die Work-Life-Balance ist von grosser Bedeutung, weil ein Gleichgewicht zwischen Arbeit und Familie langfristig die Arbeitsfähigkeit erhält und somit frühzeitigen Austritten aus dem Erwerbsleben entgegenwirkt.

3. Was, Wie, Welche Ergebnisse ?

Das Institut für Organisation und Personal (IOP) der Universität Bern hat im Rahmen desCareer- and Lifestylemanagement (CLM)Projekts eine grosse Befragung (rund 3'000 Mitarbeitende von Schweizer Unternehmen) zu diesem Thema durchgeführt. Die Studie zeigte, dass die Arbeit 58.6%, die Familie 25.1% und die Freizeit 16.3% der schlaffreien Zeit in Anspruch nimmt. Die Befragten wünschten sich, dass die Zeit am Arbeitsplatz um 10% zu Gunsten der Familie und der Freizeit sinken würde.

Im Arbeitsbericht sind neben diesen empirischen Ergebnissen derCLM-Befragungtheoretische Modelle und Nutzenanalysen enthalten. Zudem werden personalwirtschaftliche Massnahmen diskutiert, welche die Vereinbarkeit der verschiedenen Lebensbereiche erleichtern sollen. Darunter fallen z. B. Arbeitszeitmodelle (Teilzeit, Gleitzeit, Arbeitszeitkonten, Sabbaticals, Job-Sharing, Telearbeit), flexible Arbeitzeiten für Führungskräfte, Familienunterstützung (Elternschaftsurlaub, Kinderbetreuung) oder Fitness/Wellness-Angebote.

Ein amerikanischer CEO formulierte den Nutzen einer guten Work-Life-Balance folgendermassen: "If you take care of your people, they will take care of you and your organization. It is less costly to offer work/life balance initiatives than it is to hire someone to replace an employee who leaves.” (HR Focus 2006: 4). Die Auswirkungen einer guten Work-Life-Balance beziehen sich hauptsächlich auf drei Bereiche:

  • Nutzen für den Beschäftigten:Berufswünsche und private Verpflichtungen sind besser zu vereinbaren. Dadurch erhöht sich die Arbeits- wie auch die Lebenszufriedenheit der Beschäftigten.
  • Nutzen für das Unternehmen:Der Nutzen besteht darin, dass Mitarbeitende mit einer guten Work-Life-Balance zufriedener, weniger gestresst, gesünder und damit auch leistungsfähiger sind.
  • Nutzen für die Volkswirtschaft:Das Arbeitskräftepotential wird durch eine gute Work-Life-Balance besser ausgeschöpft. Die Volkswirtschaft bzw. die Gesellschaft eines Landes profitiert vom erhöhten Wirtschaftswachstum und den wettbewerbsfähigeren Unternehmen.

4. Für wen, unter welchen Bedingungen ?

Der Arbeitsbericht ermöglicht einen guten Einblick in das Thema Work-Life-Balance. Er ist für Führungskräfte und Personalverantwortliche geeignet, da es sich um ein Thema handelt, welches alle berufstätigen Personen betrifft und beschäftigt.

5. Wie einzuschätzen ?

Durch die theoretischen Grundlagen, die empirischen Befunde sowie der Diskussion von konkreten Möglichkeiten zur Verbesserung der Work-Life-Balance können aus dem Arbeitsbericht Nr. 81 nützliche Anregungen für Gestaltungsmassnahmen im eigenen Verantwortungsbereich gewonnen werden. Zudem werden überzeugende Argumente für die Umsetzung von Verbesserungsmassnahmen präsentiert.