Strategische Netzwerke nach Sydow

In der wissenschaftlichen Literatur zum Thema Netzwerke bietet Sydow ein weites Spektrum an Erklärungs- und Gestaltungsansätzen an.

22.08.2003
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Netzwerkorganisation

1. Wer?, Wann?, Wo?

Autor: Prof. Dr. Jörg Sydow ist Inhaber des Instituts für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre in Berlin. Sydow hat folgendes Buch veröffentlicht:Sydow, Jörg (1992): Strategische Netzwerke: Evolution und Organisation, Wiesbaden 1992.

2. Woher?, Wohin?, Warum?

Dieser Beitrag ist in das Thema Netzwerkorganisation einzuordnen. Sydow zeigt sein Verständnis von strategischen Netzwerken auf.

3. Was?, Wie?, Welche Ergebnisse?

Unternehmungsnetzwerke sind nach Sydow eine "auf die Realisierung von Wettbewerbsvorteilen zielende Organisationsform ökonomischer Aktivitäten .., die sich durch komplex-reziproke, eher kooperative denn kompetitive und relativ stabile Beziehungen zwischen rechtlich selbstständigen, wirtschaftlich jedoch zumeist abhängigen Unternehmungen auszeichnet" (Sydow, J. (1992), S. 79). Diese Organisationsform ist das Ergebnis einer Integration und übergreifenden Differenzierung ökonomischer Aktivitäten. Ein Unternehmungsnetzwerk besteht also aus einer endlichen Zahl wirtschaftlich und rechtlich selbstständiger Einheiten, den so genannten Netzwerkunternehmungen. Verträge und personell-organisatorische sowie technisch-organisatorische Strukturen regeln die bestehenden Beziehungen zwischen den Netzwerkunternehmungen. Wird das Netzwerk von einer oder mehreren fokalen Unternehmung(en) geführt, so spricht Sydow von einem strategischen Netzwerk. Die fokale Unternehmung definiert im Wesentlichen die Art und den Inhalt der Strategie sowie die Form und den Inhalt der Interorganisationsbeziehungen, mit der ein von ihr definierter Markt bearbeitet wird. Diese Unternehmung übernimmt demnach eine Art strategischer Metakoordination der wirtschaftlichen Aktivitäten im Netzwerk, damit der Zugang zu Ressourcen Dritter für sie selbst und den geführten Unternehmungen gesichert ist. Strategische Netzwerke sind mehr als andere Unternehmungsnetzwerke Ergebnis intentionalen Handelns. Explizit formulierte Ziele, eine eigene Identität und formale Rollenzuweisungen zeichnen dieses spezielle Netzwerk aus. Sydow definiert das strategische Netzwerk als eine "auf die Realisierung von Wettbewerbsvorteilen zielende, polyzentrische, gleichwohl von einer oder mehreren Unternehmungen strategisch geführten Organisationsform ökonomischer Aktivitäten zwischen Markt und Hierarchie .., die sich durch komplex-reziproke, eher kooperative denn kompetitive und relativ stabile Beziehungen zwischen rechtlich selbstständigen, wirtschaftlich jedoch zumeist abhängigen Unternehmungen auszeichnet" (Sydow, J. (1992), S. 82). Das Konzept strategischer Netzwerke wird von Sydow anhand von fünf Kriterien weiter operationalisiert.Organisiertheit strategischer Netzwerke,Verhältnis Interdependenz und Autonomie innerhalb strategischer Netzwerke,Koexistenz von Wettbewerb und Kooperation in strategischen Netzwerken,Stabilität und Reziprozität der Interorganisationsbeziehungen in strategischen Netzwerken,Grenzziehung zwischen Netzwerk und seiner Umwelt.Die Organisiertheit strategischer Netzwerke beschreibt die Unterschiede in der inneren Struktur zwischen verschiedenen Netzwerken. Die Autonomie der einzelnen Unternehmungen und die Interdependenzen der Beziehungen im Netzwerk werden ebenso untersucht, wie die Frage, ob es in einem Netzwerk Wettbewerb und Kooperation simultan geben kann. Die Interorganisationsbeziehungen in einem strategischen Netzwerk bleiben über mehrere Transaktionen hinweg bestehen und sind somit eher als stabil zu bezeichnen. Zudem führt jeder Tausch simultan oder zeitlich versetzt zu einem Gegentausch. Beim letzten Kriterium "Grenzziehung zwischen Netzwerk und seiner Umwelt" weist Sydow darauf hin, dass die Bestimmung der Netzwerkgrenzen nur subjektiv möglich sei und dass die Netzwerkmitgliedschaft als ein Abgrenzungskriterium verwendet werden kann.

4. Für wen?, Unter welchen Bedingungen?

Strategische Netzwerke sind ein Alltags-Phänomen. Bekannte Beispiele sind McDonalds, aber auch die japanischen "Keiretsu".

5. Wie einzuschätzen?

Basiswissen, das für Praktiker wie auch für Theoretiker eine sehr lesenswerte Lektüre darstellt.